Handelssystem: Markttechnische Trendfolge in der Praxis umsetzen

Mit diesem Artikel über markttechnische Trendfolge setze ich die Beitragsserie zum Thema Trendfolge fort. Der erste Artikel der Serie (Definition eines Trends und Ausblick auf die Umsetzung der Trendfolge in der Praxis) ist eine kurze Einleitung in die Thematik und behandelt folgende Themen:

  1. Was ist ein Trend?
  2. Definition eines Trends an der Börse
  3. Ausblick auf die Umsetzung der Trendfolge in der Praxis

Heute wird es noch konkreter, es geht um folgende Punkte:

  1. Ich zeige Ihnen, wie Sie mit wenigen klaren Schritten ein (fast) vollumfängliches markttechnisches Handelssystem mit konkret definierten Ein- und Ausstiegskriterien aufsetzen. Der Zusatz „fast“ bezieht sich darauf, dass ich mich in diesem Artikel noch nicht mit Positionsgrößen beschäftigen werde.
  2. Anschließend werde ich die markttechnische Trendfolge an einer beliebigen Aktie anwenden und Ihnen so ein ganz konkretes Praxisbeispiel zeigen.

Viel Spaß beim Lesen! Wie immer freue ich mich auf Ihr Feedback. 

1. Ein markttechnisches Handelssystem

Wie oben schon erwähnt, finden Sie die Definition eines markttechnischen Aufwärtstrends im ersten Artikel der Serie (Definition eines Trends und Umsetzung der Trendfolge in der Praxis). Heute skizziere ich ein markttechnisches Handelssystem über die Beantwortung folgender Fragen:

  • Wann genau steige ich ein?
  • Wo setze ich den ersten Stop-Loss?
  • Wann ziehe ich den Stop-Loss nach und wohin?

Lassen Sie uns zunächst auf die grundsätzliche Vorgehensweise schauen.

Markttechnische Trendfolge
Markttechnische Trendfolge umsetzen (eigene Darstellung)

Erläuterung der Grafik

1. Eröffnung einer Position

Schauen sich die Stelle in der Grafik an, an welcher der symbolische Aktienkurs zum ersten Mal grün gefärbt ist. Hier ist die Definition eines markttechnischen Aufwärtstrends erfüllt (für die Definition siehe hier: Definition eines Trends). Trader, die markttechnische Trendfolge aktiv anwenden, würden ab dieser Stelle einen Aufwärtstrend unterstellen. In der Praxis kann es unterschiedliche Auffassungen geben, wann die Definition erfüllt ist – insbesondere wenn Trader verschiedene zeitliche Ebenen betrachten. In der oben skizzierten mustergültigen Grafik mit nur einer zeitlichen Ebene gibt es aber meines Erachtens keine Auslegungsspielräume. Die Trenddefinition ist erfüllt.

2. Setzen der ersten Stop-Loss-Order

Eines vorweg: Die Verwendung einer Stop-Loss-Order hängt mit der persönlichen Risikoakzeptanz des Traders zusammen. Eine für alle Trader gültige „Muster-Vorgehensweise“ gibt es daher nicht. Die von mir beschriebene Vorgehensweise unterstellt, dass wir dauerhaft investiert sein wollen, solange der Aufwärtstrend gemäß der genutzten Definition intakt ist.

Ein Trendbruch liegt vor, wenn die Abfolge ansteigender Hochpunkte sowie ansteigender Tiefpunkte verletzt wird. Das bedeutet, dass der letzte Tiefpunkt nicht mehr unterschritten werden darf. An diesem Tiefpunkt setzen wir demzufolge unsere Stop-Loss-Order. Dann lehnen wir uns entspannt zurück und beobachten die weitere Marktentwicklung (siehe graue gestrichelte Linie).

3. „Nachziehen“ der Stop-Loss-Order (Trailing Stop-Loss)

Der Trade läuft nun und ein etwaiger Ausstieg im Falle eines Kursrückgangs ist durch die Stop-Loss Order klar definiert. Was machen wir aber, wenn der Kurs steigt? Letztendlich können wir auf Basis der oben genannten Definition nur dann aktiv werden, wenn ein neuer „wesentlicher“ Tiefpunkt vorliegt. Dieser darf dann wieder nicht unterschritten werden, da dies die Abfolge ansteigender Tiefpunkte verletzen würde. Somit läge ein Trendbruch vor und wir würden verkaufen.

Wichtig: Nach meiner Auffassung eines markttechnischen Trends dürfen Sie die Stop-Loss-Order nur dann nachziehen, wenn auch bereits ein neuer Hochpunkt vorliegt. Schauen Sie sich oben im Schaubild die Tiefpunkt mit dem „!“ an. Dort setzen wir keine Stop-Loss-Order! Schließlich wurde noch kein neuer Hochpunkt erzielt und damit gibt es auch noch keinen neuen (bestätigten) Tiefpunkt. Die eingezeichneten grauen Pfeile sollen daher zeigen, wann die jeweilige Stop-Loss-Order gesetzt wird.

Praktisches Anwendungsbeispiel der markttechnischen Trendfolge

Bei mir selbst habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich Zusammenhänge wesentlich schneller verstehen, wenn ich mir ganz konkrete Praxisbeispiele anschaue. Lassen Sie uns daher einen Blick auf eine beliebige Aktie werfen.

Markttechnik Markttechnische Trendfolge
Praxisbeispiel Markttechnik (eigene Darstellung, erstellt mit TraderFox)
  • Wie Sie sehen wurde im Juni 2016 der bestehende Hochpunkt „B“ überboten, somit ist ein neuer höherer Punkt entstanden (siehe grauer Pfeil mit der Bezeichnung „Kaufen!“). Es liegen zwei ansteigende Hochpunkte vor. Mit den beiden Punkten „A“ und „C“ sind auch zwei ansteigende Tiefpunkt zu finden. Unsere Definition für einen markttechnischen Aufwärtstrend ist somit erfüllt (eine Abfolge steigender Tief- und steigender Hochpunkte, vgl. Definition eines Trends und Ausblick auf die Umsetzung der Trendfolge in der Praxis). Wir kaufen!
  • Der initale Stop-Loss sitzt unter dem letzten wesentlichen Tiefpunkt „C“.
  • Erst nachdem (!) der neue Hochpunkt „D“ überboten wurde, erhöhen wir den initialen Stop-Loss (zweite rote Linie) von „C“ auf „E“ (selbstverständlich muss diese Vorgehensweise nicht die beste Methode sein, ich erläutere hier lediglich die markttechnische Trendfolge, wie ich sie in der Praxis anwende – dies ist keine Prognose, keine Beratung und keine Empfehlung diese Strategie, da jeder Investor selbst eine Strategie finden sollte, mit der er sich wohl fühlt und die vor Anwendung ausreichend getestet wurde, siehe auch Disclaimer).
  • Hinweis: Mit dem Thema initiale Positionsgröße und laufendes Rebalancing (oder auch laufendes Pyramidisieren) beschäftige ich mich in diesem Artikel der Serie zum Thema Trendfolge noch nicht.

Markttechnische Trendfolge: Chancen und Risiken

Chancen

  • Sie können die Strategie auf allen zeitlichen Ebenen anwenden.
  • Sofern Sie tägliche oder wöchentliche Schlusskurse nutzen, benötigen Sie zur Umsetzung der Strategie nur wenig Zeit. Die Strategie eignet sich somit sehr gut für Trader, die nur nebenberuflich an der Börse tätig sind.
  • Bei dem oben gezeigten Beispiel hätten Sie innerhalb von fast zwei Jahren nur eine Transaktion tätigen müssen – sie können die Strategie so einstellen, dass tendenziell geringe Transaktionskosten anfallen (je nachdem auf welcher zeitlichen Ebene Sie handeln).
  • Trendfolge-Strategien sind oftmals risikoreduzierend, da Trendfolger bei rückläufigen Kursen aussteigen. Dies reduziert häufig (aber nicht immer) den Maximum Drawdown im Vergleich zu einem Buy-&-Hold-Investment.

Risiken

  • In der Vergangenheit erzielte Renditen stellen keine Rendite-Garantie für die Zukunft dar.
  • Wenn Sie von einem Buy-&-Hold-Ansatz abweichen, besteht immer das Risiko, dass Sie eine Underperformance zur Buy-&-Hold-Strategie realisieren. Dies könnte beispielsweise dann passieren, wenn Sie mehrfach unglücklich ausgestoppt werden.
  • Eine aktive Strategie weist immer höhere Transaktionskosten auf im Vergleich zu einem Buy-&-Hold-Ansatz.
  • Jede Form der Trendfolge ist meiner Meinung nach zwar eine objektive Strategie, zu einem gewissen Anteil ist markttechnische Trendfolge allerdings doch subjektiv! Schauen Sie sich nochmal ganz genau den Aktienchart oben an. Ich hätte auch eine gerade Linie von Punkt „E“ zu Punkt „H“ ziehen können. Es werden ständig neue Hoch- und Tiefpunkte generiert, aber welche berücksichtigen wir als „wesentliche“ Hoch- und Tiefpunkte? Meines Erachtens sollten die jeweiligen A-B-C-Bewegungen immer eine relativ ähnliche Größe zueinander aufweisen, die Vorgehensweise kann aber nicht zu 100% objektiv gestaltet werden.
  • Bei jedem Trade an der Börse besteht das Risiko des vollständigen Verlustes des eingesetzten Kapitals (siehe auch weitere rechtliche Informationen auf der Website, z.B. Disclaimer und Impressum). Dieses Risiko besteht natürlich auch bei Anwendung dieser Strategie. Sie haben zwar eine Stop-Loss-Order – diese wird aber erst zum nächstmöglichen Kurs ausgeführt (welcher theoretisch null sein könnte).

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Auflistung nicht vollständig ist. Ich habe versucht, mit auf die Chancen und Risiken zu konzentrieren, welche meiner Meinung nach die höchste Bedeutung haben.

Ich hoffe, Sie fanden den Artikel interessant. Wenn Sie Anmerkungen, Ideen oder ein Feedback für mich haben, schicken Sie mir gern eine Mail oder hinterlassen Sie unten einen Kommentar. Gerne können wir auch über meinen neuen Facebook-Kanal miteinander in Kontakt treten: Facebook-Kanal Trendfolge-Investments.com.

Viele Grüße und erfolgreiche Investments
Christian F. Hardt

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