DAX und S&P 500 unter Druck: Angst auf Rekordniveau – Sentiment-Analyse deutet Stabilisierung an

Aktienmärkte unter Druck: DAX, Dow Jones & Co. stehen seit einigen Monaten massiv unter Druck. Auf meiner Website habe ich bereits im Juni 2018 auf Verkaufssignale hingewiesen und meine bullishe Positionierung zurückgenommen (Trendbrüche auf breiter Front: Globale Aufwärtstrends bei DAX, Dow Jones & Co in Gefahr!). Heute erläutere ich Ihnen, wie sich die Situation aus der Perspektive eines Trendfolgers darstellt. Zudem zeige ich die aktuellsten Sentiment-Daten – Sie werden eine wirklich außergewöhnliche (und das ist fast noch untertrieben) Put-Call-Ratio sehen.

Sentiment-Analyse: Angst auf Rekordniveau

Put-Call-Ratio als Timing-Instrument: Die Put-Call-Ratio misst die Anzahl der gehandelten Puts im Verhältnis zur Anzahl an Calls. Ein hoher Wert (viele Puts) ist als Kontraindikator zu verstehen (d.h. viele Puts sind bullish). Die Logik dahinter ist einfach: Haben alle Marktteilnehmer verkauft bzw. sich abgesichert, so tritt niemand mehr als Verkäufer aufs Parkett. Konkretes Beispiel: Am 31.10.2019 habe ich auf meinem Facebook-Kanal auf einen Extremwert hingewiesen (siehe unten). Tatsächlich haben sich die US-Indizes danach deutlich erholt. Das Instrument wirkt allerdings meist eher kurzfristig. Ich nutze dieses daher als Timing-Instrument, aber nicht zur übergeordneten Trendbestimmung.

Hohe Verunsicherung der Marktteilnehmer: Die aktuelle Marktlage ist wahrlich verrückt, die Volatilität der US-Indizes hat zuletzt so manchen Daytrader erfreut, während sich viele andere Marktteilnehmer vorübergehend zurückgezogen bzw. abgesichert haben – schließlich sind derartig panisch “zuckende” Märkte sehr gefährlich. Sichtbar wird der enorme Absicherungsbedarf durch einen Blick auf die Put-Call-Ratio:

Put-Call-Ratio Rekordniveau Sentiment
Wahnsinn: Put-Call-Ration über der fünfachen Standardabweichung vom Mittelwert (Quelle: IndexIndicators.com)

Kaum zu glauben: Die Put-Call-Ratio erzeugte einen neuen Rekordwert und notierte kurzzeitig über der fünffachen – ja, Sie haben richtig gelesen – Standardabweichung vom Mittelwert.

Hoher Absicherungsbedarf (= bullish): Eine derart hohe Put-Call-Ratio deutet einen enormen Absicherungsbedarf der Marktteilnehmer an. Dies ist ein positives Zeichen, denn wenn alle “zittrigen Hände” aus dem Markt gedrängt wurden, wer soll dann verkaufen?

DAX: Überverkaufter Zustand?

Verkaufssignale ohne Ende: Die vielen Verkaufssignale der letzten 6 Monate haben den DAX ordentlich unter Druck gesetzt – beispielhaft habe ich einige im Chart hervorgehoben. Auf meiner Website habe ich bereits im Juni auf erste Warnsignale hingewiesen und meine bullishe Positionierung zurückgenommen: Trendbrüche auf breiter Front: Globale Aufwärtstrends bei DAX, Dow Jones & Co in Gefahr! Wenn Sie solche Signale künftig sofort und kostenlos erhalten möchten, tragen Sie sich gerne hier ein: Alle Signale sofort und kostenlos (kein Spam / nur Börsenartikel von Trendfolge-Investments).

DAX Chartanalyse
DAX im Tageschart unter Druck (eigene Darstellung, erstellt mit TraderFox)

Überverkaufte Indikatoren: Mittlerweile musste der DAX ordentlich Luft ablassen. Einige Indikatoren deuten aktuell allerdings einen überverkauften Zustand an. Zudem könnten positive Divergenzen entstehen (siehe grüne Linie beim MACD im DAX-Chart).

Trendfolge-Algorithmus: Mein Trendfolge-Algorithmus ist relativ langfristig parametrisiert und wird daher erst ein Kaufsignal liefern, wenn der Index sich vom aktuellen Niveau aus deutlich erholt. Das ist auch so gewollt. Wer allerdings bereit ist, etwas mehr Risiko einzugehen und/oder einen eher kurzfristigen Zeithorizont handelt, könnte aktuell auf eine bullishe Gegenreaktion spekulieren.

S&P 500: Technische Gegenbewegung läuft

Gegenbewegung nach schlimmen Verlusten: Der S&P 500 ist im Dezember heftiger gefallen als der DAX, umso stärker sieht dafür aber auch die aktuelle Gegenbewegung aus. Grundsätzlich halte ich auch hier eine mittelfristige Bodenbildung für möglich. Beachten Sie aber, dass sich oftmals vor einer wesentlichen Erholung ein “zweites Standbein” ausbildet. Eine volatile Seitwärtsphase unterhalb des eingezeichneten großen Widerstandsbereiches wäre die Folge.

S&P 500 Chartanalyse
Gegenbewegung nach heftigen Verlusten beim S&P 500 (eigene Darstellung, erstellt mit TraderFox)

Trendfolge-Algorithmus: Mein Algorithmus hat auch beim S&P 500 noch kein Kaufsignal generiert, die Gründe sind ähnlich wie beim DAX (siehe oben).

Fazit: Hohe Angst und überverkaufte Indikatoren begünstigen Bodenbildung – noch keine langfristigen Kaufsignale

Zusammenfassend lässt sich folgendes festhalten:

  • Die enorme Angst der Marktteilnehmer (hohe Put-Call-Ratio) ist ein bullishes Signal (kurz- bis mittelfristig bullish)
  • Einige Indikatoren deuten auf eine überverkaufte Situation hin (kurz- bis mittelfristig bullish)
  • Der Trendfolge-Algorithmus hat bislang kein Kaufsignal geliefert. Der mittel- bis langfristige Abwärtstrend ist intakt.

Kurzfristig positive Daten bei intaktem Abwärtstrend: Kurzfristig gibt es einige positiv zu interpretierende Daten, langfristig ist der Abwärtstrend hingegen vollkommen intakt. Je nachdem mit welchem Zeithorizont Sie handeln, ist differenziert vorzugehen. Ich persönliche probiere aktuell einzelne Trades mit kleinen (!) Positionen bei bestimmten Einzeltiteln (mit relativ marktunabhängigem Verhalten). Größere Positionen baue ich erst auf, wenn der Trendfolge-Algorithmus neue Kaufsignale liefert. Schließlich schützt mich der Algorithmus vor katastrophalen Drawdown-Phasen.

Wie immer handelt es sich lediglich um meine Meinung. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und einen guten Start ins neue Jahr!

Viele Grüße
Christian Hardt

PS Übrigens: Hohe Put-Call-Ratios stoppen regelmäßig Abwärtsbewegungen (Gründe siehe oben). In seltenen Ausnahmefällen können diese aber auch am Beginn eines Bärenmarktes auftreten – wenn die “großen Spieler” am Markt wirklich schnell raus wollen und sich auf eine schwere Krise einstellen. So war es zum Beispiel in 2007. Ich halte eine volatile Bodenbildung nach wie vor für möglich und sogar für recht wahrscheinlich. Anleger sollten aber immer für alle theoretisch denkbaren Szenarien offen sein. Ein emotionsloser Trendfolge-Algorithmus kann dabei helfen!

1 Kommentar

  1. Hallo Christian,
    ich bewundere immer Deine Beiträge. Klar strukturiert und hoch informell.
    Ja das Put/Call-Ratio sollte man nicht außer acht lassen. Imposanter Chart
    beim S&P 500. Dachte mir auch dass es demnächst mal wieder aufwärts gehen könnte, nur untermauern könnte ich das nicht. Heute hat uns der DAX ja gezeigt was möglich ist. Diese hohe Vola macht Investments in Zertifikaten mit KO recht spekulativ, spekulativer als sie eh schon sind. Mal sehen ob das heute eine Eintagsfliege im DAX war oder ob es weitergeht. Dann könnte sich deine positive Divergenz bestätigen. Wünsche angenehmes Wochenende!

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